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Wechselwirkungen- Wirkungswechsel | |||||||
| In jeder Packungsbeilage eines Arzneimittel findet sich ein Abschnitt "Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ". Dann folgen lange Aufzählungen meist unverständlicher Namen und Erklärungen. Meist wird noch aufgeführt, welche Wirkungen verstärkt und welche abgeschwächt werden. Bei der gleichzeitigen Anwendung mehrerer Arzneistoffe sind solche Interaktionen möglich. Der Begriff Wechselwirkungen an sich ist wertneutral. Er beinhaltet nicht, ob sie positiv oder negativ zu bewerten sind. Ein klassisches Beispiel ist bei einer Vergiftung die Gabe eines Gegengiftes. Im heutigen pharmakologischen Sprachgebrauch versteht man unter Wechselwirkungen nur noch unerwünschte Interaktionen.
Pharmakokinetische WechselwirkungenBei den pharmakokinetischen Wechselwirkungen handelt es sich um eine Interaktion bei der Aufnahme, Verteilung, Umwandlung und Ausscheidung von Arzneistoffen. Dadurch kann natürlich auch die Wirksamkeit beeinflusst werden. Wird z. B. die Ausscheidung verzögert, bleibt der Arzneistoff länger im Blut und wirkt dadurch länger. Arzneistoffe müssen um wirken zu können, an bestimmten Zellabschnitten, einem sogenannten Rezeptor, andocken. Zellen haben nicht für jeden Arzneistoff eigene Rezeptoren, sondern nur für bestimmte Klassen. Sind sich zwei Inhaltsstoffe ähnlich, konkurrieren sie wie Flugzeuge um die Finger eines Terminals. Die Substanz, die anlegen kann wirkt, die auf dem Vorfeld parken muss nicht. Ähnliches geschieht mit der Ausscheidung. Viele Substanzen können unverändert nicht von der Leber über die Galle oder die Niere durch den Urin ausgeschieden werden. Auch für den Abbau die Metabolisierung stehen nur bestimmte Wege zur Verfügung. Wie vor einer Baustelle auf der Autobahn kommt es zum Stau und die Stoffe, die nicht ausgeschieden werden, wirken länger. Der Körper versucht, wenn solche Staus öfter auftreten, sie durch mehr Arbeiter zu vermeiden. Wissenschaftlich nennt man das Enzyminduktion. Man kann solche Interaktionen vor der Zulassung eines Medikamentes mit einigen wenigen und wichtigen Medikamenten untersuchen aber nicht mit allen. Deshalb sind Mediziner und Patienten vor Überraschungen im Einzelfall nicht gefeit.Wechselwirkungen auch mit LebensmittelnEs gibt aber nicht nur Interaktionen zwischen Medikamenten, sondern auch zwischen Medikamenten und Nahrungsstoffen. Bei jedem neuen Medikament muss untersucht werden, ob durch eine standardisierte Mahlzeit die Aufnahme des Arzneistoffes verzögert wird. Dabei ist festgelegt, wie viel Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate die Mahlzeit enthält. Bei den meisten der im Handel befindlichen Medikamente ist jedoch nicht geklärt, wie sich die Nahrungszufuhr auf die Aufnahme des Arzneistoffes auswirkt. Häufig wird durch eine Mahlzeit die Aufnahme verzögert oder abgeschwächt. Fettlösliche Arzneistoffe werden aber mit einer Mahlzeit schneller und vollständiger aufgenommen. Nicht nur Mahlzeiten, sondern auch Getränke können die Resorption von Arzneistoffen vermindern.Daher sollte bei der Einnahme von Medikamenten nie Milch getrunken werden, die viele Interaktionen auslöst. Aber auch Calcium oder Magnesium enthaltende Getränke , die ja gern als Brausetabletten eingenommen werden, sollen nicht verwendet werden, da sie viele Stoffe unlöslich machen. Da diese Metalle auch häufig in Antacida, Mittel gegen Sodbrennen und Übersäuerung, enthalten sind, sollten sie ebenfalls nicht gleichzeitig eingenommen werden. Grapefruchtsaft dagegen erhöht die Blutspiegel einiger Substanzen, wie z. B. von Ciclosporin. Wahrscheinlich sind die im Saft enthaltenen Flavonoide, die Farbstoffe, dafür verantwortlich. Ob es nach dem Verzehr von anderen Citrusfrüchten zu ähnlichen Interaktionen kommt ist noch nicht erwiesen. Therapie beeinflussende Interaktionen können praktisch mit jeder Substanz auftreten. Das milde pflanzliche Antidepressivum Johanniskraut kann die Blutspiegel von Ciclosporin in den subtherapeutischen Bereich drücken, so dass Transplantate verloren gehen können. Für die beiden wichtigen Immunsuppressiva Ciclosporin (Sandimmun ®)und Tacrolimus (Prograf ®)sind die Listen der Wechselwirkungen sehr lang. Deshalb ist es sehr wichtig, dass der Arzt über alle Medikamente, auch nicht verschreibungspflichtige, informiert wird, die ein Patient einnimmt. Bei ungewöhnlichen Ereignissen sollte gemeinsam geklärt werden, ob eine Wechselwirkung vorliegen könnte. Dr. med. Werner Habermann | |||||||
![]() | Dieser Artikel ist unserer Zeitschrift Lebenslinien, Ausgabe 2/2000, entnommen. |
13.8.2001