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Selbsthilfe Lebertransplantierter Deutschland
Autoimmunhepatitis

Ich darf wieder leben

Im März 1997 wurde bei mir eine Autoimmunhepatitis festgestellt. Man sagte, dass nur noch eine Lebertransplantation mein Leben retten könnte. Das war ein ziemlicher Schock.
Für mich brach eine Welt zusammen. Ich dachte sofort an meinen Mann und meine drei Kinder (14, 12 und 6 Jahre alt), die ich ja jetzt noch nicht im Stich lassen konnte. Also entschied ich mich zur Transplantation. Als sämtliche Untersuchungen beendet waren, kam ich am 13. März 1998 auf die Warteliste bei Eurotransplant (Leiden, Holland) Mein Gesundheitszustand war zu dieser Zeit noch gut. Von der Klinik bekam ich nun ein Eurosignal, welches ich immer bei mir tragen musste.

Petra BarthDas Warten auf den erlösenden Anruf war sehr nervig. Es war eine schlimme Zeit, die ich bestimmt nie vergessen werde. Anfang November 1998 bemerkte ich, wie sich mein Gesundheitszustand verschlechterte. Jetzt wurde ich natürlich immer nervöser. Im Stillen hatte ich eigentlich mein Leben schon abgeschlossen. Abends am 19. Nov. 1998 bekam ich den erlösenden Anruf aus Tübingen. Es wurde mir mitgeteilt, dass ein passendes Organ zur Verfügung stehe. Mit dem Gedanken: "Ich muss es einfach schaffen und es klappt bestimmt", machte ich mich auf den Weg. Ich war richtig erleichtert, dass es nun soweit war. Am Freitagmorgen, dem 20. Nov. 1998 um 2.00 Uhr begann die Operation, sie dauerte ca. 9 Stunden. Am Samstag so gegen sieben Uhr erwachte ich kurz und die Schwester sagte, ich hätte die Operation gut überstanden. Das waren richtig erlösende Worte für mich. Nach drei Tagen Intensivstation kam ich auf die normale Krankenstation. Zwar fühlte ich mich sehr schwach, aber bald konnte ich für kurze Zeit das Bett verlassen. Nun gab es natürlich Höhen und Tiefen. Zweimal kam es während meines Aufenthaltes in der Uni- Klinik Tübingen zu einer Abstoßungsreaktion. Aufgrund der sofortigen Gabe von hohen Cortisondosen bekamen die Ärzte diese in Griff. Trotz allem bemerkte ich doch, dass ich mich besser fühlte als vor der Transplantation. Sehnsüchtig wartete ich auf meinen Entlassungstag, denn immerhin war es kurz vor Weihnachten. Dann, am 23. Dez. 1998, war es soweit und ich konnte die Klinik verlassen.Nun war mein Wunsch doch in Erfüllung gegangen. Ich durfte Weihnachten im Kreise meiner Familie feiern. Dies verdanke ich natürlich meinem Organspender und dessen Angehörigen. Auch die Operateure und Ärzte in Tübingen haben doch Großartiges geleistet. Mein Mann hat mich in dieser schweren Zeit ebenfalls sehr unterstützt und große Belastungen auf sich genommen. Oft denke ich an diejenigen, die noch auf der Warteliste stehen. Ich hatte Glück und bekam zur rechten Zeit eine Spenderleber. Es ist wichtig, dass man die Hoffnung nie aufgibt.

Erst jetzt, wo es mir besonders gut geht, wird mir bewusst, dass ich doch am Rande des Todes stand. Natürlich fühle ich mich nicht jeden Tag gleich, aber es werden bestimmt noch öfters Höhen und Tiefen in meinem weiteren neuen Leben kommen. Ich genieße jeden Tag, an dem es mir gut geht. Ich sehe nun das Leben mit ganz anderen Augen. Bald werde ich meinen 40. Geburtstag feiern und hoffe, dass ich noch viele runde Geburtstage erleben darf.

Als Transplantierte denke ich doch, dass es sehr sinnvoll ist, wenn man sich nicht aufgibt und eine positive Grundeinstellung zum Leben hat. Natürlich habe ich die fünf kritischen Jahre vor mir, aber auch ein gesunder Mensch weiß nicht, was am nächsten Tag sein wird. Ich habe jetzt ein neues Leben bekommen und werde alles tun, um dieses lange zu erhalten, ob in Höhen oder Tiefen.

Für mich gilt folgender Spruch: "Wer meint, er stünde am Ende von Etwas, steht vielleicht an einem neuen Anfang". In meinem Innern habe ich immer den Grundsatz für Transplantierte: "Transplantierte sind nicht operierte Kranke sondern durch die Operation wieder Gesunde". Bewundern musste ich doch auch meine Familie. Es belastete alle sehr, denn die Angst, mich zu verlieren, war ständig da. Als mein Mann und ich uns auf den Weg zur Transplantation machten, standen die Kinder vor dem Haus und schauten uns nach. Ihre Blicke sprachen Bände. Dies war für mich ein sehr ergreifender Moment. Doch nun sind sie froh, dass es mir gut geht und hoffen mit mir, dass dies weiterhin so bleibt.

Petra Barth

30.9.1999