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MARSNeues Leberdialyse- Verfahren bei akutem und chronischem Leberversagen | |||||||
| Das Problem: Patienten mit akutem wie chronischem Leberversagen leiden unter zahlreichen Auswirkungen, die durch die zunehmende Vergiftung des Körpers entstehen
Speziell für die Ausbildung des Coma hepaticum werden heute verschiedene Theorien diskutiert. Besonders interessant scheint die zytotoxische Wirkung der verschiedenen Metabolite in höheren Konzentrationen zu sein. Dieser Mechanismus schädigt dann über das Blutsystem alle perfundierten Organe, vom Gehirn über Lungen bis zum Darm. Kompliziert blieb bisher, das neben einigen wichtigen wasserlöslichen Substraten, wie dem Ammoniak, die überwiegende Anzahl der Toxine des Leberversagens im Blut an Einweiß, und hier insbesondere dem Albumin, als universellem Transporteiweiß, gebunden sind. Da jedoch die Kapazität der Albuminbindungsstellen limitiert ist und der Albuminspiegel im Blut des betroffenen Patienten mangels Synthese auch besonders erniedrigt ist, kommt es zu einer nominellen Überlastung dieser Bindungsstellen bei sehr hohen BIutkonzentrationen dieser Toxine, was wiederum zu einer Erhöhung des freien und damit direkt toxisch wirkenden Anteils führt. Weiterhin übt das Albuminmolekül auch wichtige Funktionen im Stoffwechsel aus, z.B. als Bindungsakzeptor für Intermediär-Metabolite des Prostaglandin-, des Cholesterin- oder des Gallensäuren-Stoffwechsels. Auch diese Funktionen werden durch die Überlastung des Proteins mit lipophilen toxischen Liganden im Leberversagen gestört. Ansatz:Bisher war es nicht möglich, die anfallenden Giftstoffe ausreichend dem Körper zu entziehen. Insbesondere hohe Bilirubinspiegel als auch Ammoniakwerte führen zu sichtbaren Einschränkungen des Bewusstseins bis zur Beatmungspflichtigkeit. Jetzt darf man hoffen, mit sogenannten Leber-unterstützungssystemen dieses Problem angehen zu können.Verschiedene Ansätze haben neben der Plasmapherese zu zellfreien wie zellgestützten Systemen geführt. Das zellfreie MARS®-Verfahren basiert auf einer speziellen Membran mit einem zwischengeschalteten Albuminkreislauf. Die spezielle MARS®- Membran![]() Die spezielle MARS-Membran besitzt die gewünschten Eigenschaften, auf der Blutseite die Giftstoffe im freien Blut als auch das an Albumin gebundene Toxin per freier Diffusion auf die Dialysatseite mit dem relativ sauberen Albumin passieren zu lassen. | |||||||
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Das MARS®- Verfahren![]() Wie aus dem Schema zu ersehen ist, ist das MARS®-Verfahren (Molecular Adsorbents Recirculating System) prinzipiell ein Dialyseverfahren. Das venöse Blut des Patienten wird mittels eines zentralvenösen und entsprechend großlumigen Dialysekatheters per Pumpe [1] in einen extrakorporalen Kreislauf und durch einen speziellen Dialysator geleitet (MARS®-Membran [2]). Auf der Dialysatseite der Membran zirkuliert eine fast 20-prozentige Albuminlösung. Aufgrund der speziellen Porengröße der Membran und des Konzentrationsgefälles zwischen der einen Seite der Membran und der anderen, gelangen die meisten eiweißgebundenen als auch die wasserlöslichen Giftstoffe von der Blut- auf die Dialysatseite. Die Waschlösung wird jetzt per Albuminpumpe [4] an einem herkömmlichen Low-Flux-Dialysator [3] vorbei geleitet, wo die wasserlöslichen Giftstoffe entfernt werden können (Nierendialyse). Auch eine Bilanzierung im Sinne eines Wasserentzuges ist an dieser Stelle möglich. Anschließend wird die Albumin-Waschlösung, 600 ml humanes Serum- Albumin, gereinigt, indem das belastete Albumin über einen Kohleadsorber [5] und einen Anionenaustauscher [6] geleitet wird. Danach gelangt es wieder zur MARS®-Membran und kann so in recycelter Form erneut Toxine aufnehmen. Dieses Verfahren kann solange kontinuierlich angewendet werden, wie die Adsorber Aufnahmekapazität bieten. Dies hängt somit vom Ausgangsszustand des Patienten ab, insbesondere aber dem Bilirubinspiegel. Mit diesem Prinzip gelingt es, die Entgiftungsfunktion der Leber durch Reduzierung des Bilirubinspiegels und anderer Toxine zu entlasten. Gleichzeitig wird dadurch die Synthesefunktion der Leber stimuliert (Verbesserung der Gerinnungs- und Cholinesterasewerte). Auch diese Funktionen werden durch die Überlastung des Proteins mit lipophilen toxischen Liganden im Leberversagen gestört. Mit diesem Verfahren ist es jetzt möglich auf jeder Intensivstation bzw. Dialyseeinheit eine effektive Therapie zur Besserung der Leberfunktion und somit des Allgemeinbefindens des Patienten einzusetzen. Aufwand und Betreuung des Verfahrens sind im Vergleich zu bisherigen Alternativen (z. B. Bioreaktoren) deutlich geringer, weil das Wirkprinzip der Dialyse entlehnt ist und der MARS®-Monitor als Zusatzmodul zu bereits installierter Dialysetechnik funktioniert. Eine Anwendung in fast jeder Intensiv- bzw. Dialysestation ist somit möglich. Das MARS®-Verfahren vereint die Vorteile eines zellfreien anwenderfreundlichen Medizinproduktes mit einer selektiven Entfernung von Lebergiften aus dem Blut erkrankter Patienten. Bisherige ErgebnisseAuf unserer chirurgischen Intensivstation wurden bisher fast 30 Patienten mit akuten oder dekompensierten chronischen Leberversagen behandelt. Viele dieser Patienten konnten aus einer bedrohlichen Situation stabilisiert werden. Andere Patienten mit akutem Leberversagen konnten erfolgreich rekompensiert werden, so dass eine Lebertransplantation nicht notwendig wurde. In den Fällen, in denen eine notwendige Lebertransplantation unvermeidbar war, konnte der Ausgangszustand dieser Patienten deutlich gebessert werden, bzw. konnten die Patienten den Transplantationszeitpunkt überhaupt erreichen. In allen Behandlungsfällen konnte eine Besserung der Vergiftungsparameter als auch eine Besserung der Syntheseleistung erreicht werden. Wichtig scheint auch bei der Anwendung zu sein, dass bisher keinerlei Nebenwirkungen im Sinne allergischer Reaktionen als auch der möglichen ungewollten Entfernung von sinnvollen Mole-külen im Blut nachzuweisen war. In mehreren multizentrischen Studien konnte die Effektivität der Albumin-Dialyse mit dem MARS-System belegt werden.Indikationen
Aus den bisherigen Erfahrungen und Ergebnissen kann man die folgenden Indikationen zur kombinierten albumingestützten Leber/Nierendialyse ableiten:» Lebensbedrohliches Leberversagen auf der Basis einer chronischen Vorerkrankung - kontinuierliche klinische Verschlechterung trotz intensiver Therapieausschöpfung sowie Einsetzen mindestens einer Komplikation wie dem Coma hepaticum bzw. dem Nierenversagen, wodurch die Prognose der Patienten nach dem aktuellen Wissensstand als aussichtslos gilt. » Akutes Leberversagen aus völliger Gesundheit heraus (Paraklinische Zeichen eines Zellschadens z.B. massiver Transaminasenanstieg nach Intoxikation, Lebertrauma nach Unfall) » Intrahepatische Cholestase (Bilirubinspiegel 10 fach erhöht, Ausschluss einer posthepatischen Cholestase durch abdominelle Sonographie und Ausschluss eines hämolytischen lkterus durch Paraklinik) »raquo;Schwere hepatozelluläre Synthesestörungen (Quick kleiner 50% ohne Substitution oder Cholinesterase kleiner als 60 µmol/l*s. » Keine prinzipiellen Ausschlusskriterien für eine eventuelle Lebertransplantation als Orientierung. Bei Patienten mit Alkoholanamnese ist eine intensive Prüfung der Abstinenz notwendig, bzw. eine solche anzustreben. ZusammenfassungDas Problem des zunehmenden Leberversagens liegt im Teufelskreis, bei dem die in Folge der gestörten Entgiftungsfunktion akkumulierenden Toxine nicht nur die Funktion der Organe stören, sondern durch eine direkte zytotoxische Wirkung auf die Hepatozyten selbst auch ihre eigene Eliminierung weiter blockieren und damit die toxische Wirkung noch mehr beschleunigen. Die klassischen Blutreinigungsverfahren wie die Hämodialyse und die Hämofiltration konnten keine klinisch ausreichende Effektivität in der Detoxikation erreichen, da der überwiegende Anteil der Toxine tatsächlich proteingebunden vorliegt Versuche dieses Problem dadurch zu lösen, dass man das Blut oder das Plasma der Patienten in direkten Kontakt mit adsorbierenden Oberflächen (z.B. von Aktivkohle) gebracht hat, führten zwar zu einer gesteigerten Effektivität der Toxinelimination, die eingeschränkte Selektivität der Adsorptionsverfahren führte jedoch zu einem Verlust an essentiellen Faktoren, die unter anderem auch für die Regeneration der Leber und damit für die Genesung der Patienten unerlässlich sind. Erst mit der Trennung der Adsorberoberflächen vom direkten Blutkontakt durch eine semipermeable Membran mit selektiven Eigenschaften konnten die negativen Auswirkungen ausgeschlossen werden. Der Einsatz von Humanalbumin als Trägerstoff auf der Waschseite des MARS-Dialysators zieht die Toxine aus dem Blutkompartiment in die Adsorberkartuschen. Der relativ einfache Aufbau in Kombination mit ggf. vorhandener Dialysetechnik wird zu einem breiten Einsatz dieser Entgiftungseinheit führen.Es bleibt jetzt Aufgabe der Krankenkassen die Kostenübernahme für dieses Verfahren zu etablieren und diese wichtige Therapieform möglichst vielen bedürftigen Patienten zugänglich zu machen. Die privaten Krankenkassen sind hier bereits mit gutem Beispiel vorangegangen und haben die Kostenübernahme angekündigt. Neben einigen Unikliniken sind bereits jetzt vereinzelt Behandlungseinheiten zur Durchführung der kombinierten Leber-/Nierendialyse nach dem MARS-Prinzip entstanden. Hierzu zählen neuerdings auch die Euromed-Klinik in Fürth als auch die Hirslandenklinik in Zürich.
Dr. U. Jost, Facharzt für Chirurgie Dieser Artikel wurde in unserer Zeitschrift Lebenslinien, Ausgabe, 1/2002, veröffentlicht. | ||||||
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2.2.2002