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Pflanzliche Arzneimittel bei Lebererkrankungen | |||||||
Pflanzliche Arzneimittel erfreuen sich heute einer immer stärkeren Nachfrage. Viele Patienten trauen den "chemischen" Arzneimitteln nicht und befürchten Nebenwirkungen. Der Gedanke, dass ein Heilmittel in der Natur gewachsen ist, scheint dem gegenüber beruhigend. Der Glaube, dass pflanzliche Arzneimittel keine gefährlichen unerwünschten Wirkungen haben können, ist jedoch falsch. Vielmehr kann jedes Medikament auch schädliche Einflüsse verursachen. Unverträglichkeit und Allergien stellen auch bei Pflanzenstoffen eine Gefahr dar. Dies gilt nicht nur für Arzneimittel, die gegen Lebererkrankungen eingenommen werden, sondern auch für andere Pflanzenstoffe. Selbst Pfefferminze kann bei wenigen Patienten Leberentzündungen auslösen. Die Gefahr von Nebenwirkungen ist aber kein Grund, auf ein sinnvolles Arzneimittel zu verzichten. Wichtig ist vielmehr eine bewusste Auswahl von Mitteln, die den vorhandenen Beschwerden angemessen abhelfen.Im Einzelfall entscheidenEs ist also notwendig, sich in jedem Einzelfall für das richtige Arzneimittel zu entscheiden. Dabei kann es sehr oft sein, dass bereits ein mildes pflanzliches Präparat ausreicht, um vorhandene Beschwerden wirksam zu lindern. Auch für Lebererkrankungen gibt es einige empfehlenswerte natürliche Medikamente.Für uns Transplantierte und leberkranke Patienten ist es hierbei wichtig, in einem vertrauensvollen Verhältnis mit dem Arzt zu entscheiden, welche Arzneimittel im persönlichen Einzelfall sinnvoll sein können. Bei pflanzlichen Arzneimitteln kann auch ein Apotheker Auskunft über mögliche und sinnvolle Präparate geben. Für beide, Arzt und Apotheker, ist es bei chronisch Kranken unerlässlich, alle Medikamente zu kennen, die gleichzeitig eingenommen werden - auch pflanzliche Arzneimittel, die der Patient selbt hinzukauft. Nur so können sie beurteilen, ob sich alle eingenommenen Präparate miteinander vertragen und ob neu auftretende Beschwerden Nebenwirkungen sein könnten. Vier pflanzliche ArzneimittelVier Arzneien pflanzlichen Ursprungs sind heute als die wichtigsten Mittel der Natur bei Lebererkrankungen anzusehen. Silymarin und Sojaphospholipide sind hierbei eigentliche Leberarzneien, bei der Javanischen Gelbwurz handelt es sich um ein Gallemittel. Die Artischocke steht zwischen diesen beiden Gruppen. Nur Silymarin und Sojaphospholipide können an den Ursachen von Lebererkrankungen ansetzen, bei Artischockenextrakt ist dies denkbar, aber am Menschen nicht bewiesen. Artischocke und Gelbwurz greifen an den Symptomen der Krankheit an und lindern diese. Von einer Verwendung des früher empfohlenen Gallemittels Schöllkraut ist auf Grund neuerer Erkenntnisse heute abzuraten. | |||||||
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Mariendistelfrüchte sind 6 bis 7 mm lang. Es gibt weiße, graue, braune und schwarze Früchte, manche sind auch gefleckt.SilymarinDas wichtigste pflanzliche Arzneimittel bei Lebererkrankungen ist sicherlich das Silymarin, das aus den Früchten der Mariendistel (Silybum marianum) gewonnen wird. Diese Pflanze ist im Mittelmeerraum heimisch, heute aber manchmal auch bei uns ausgewildert, und wird für Arzneizwecke angebaut. Mariendisteln werden bis über 1,50 m hoch und haben große stachelbewehrte Blätter, die entlang der Leitgefäße weiß gefleckt sind.Silymarin verwendet man bei Verdauungsbeschwerden durch Leberstörungen, bei Leberschädigungen durch Giftstoffe, bei chronisch- entzündlichen Lebererkrankungen und bei Leberzirrhose. Unter den pflanzlichen Arzneistoffen gehört das Silymarin zu den relativ gut erforschten. Es ist ein Gemisch aus mehreren wirksamen Bestandteilen und schützt die Leberzellen durch eine Stabilisierung der Zellmembranen. Besonders bei Beeinträchtigungen der Leber durch Schadstoffe und Alkohol erreicht man mit Silymarin eine schnellere Normalisierung der Leberwerte und eine Besserung von Beschwerden. Sogar eine Knollenblätterpilzvergiftung kann man mit diesem Arzneimittel bekämpfen. Tees aus Mariendistel sind nicht empfehlenswert, weil nicht die nötige Menge Wirkstoff aus den steinharten, schwer zu zerkleinernden Früchten freigesetzt wird. Gut sind Dragees, von denen man täglich so viele einnimmt, dass man auf eine Dosis von mindestens 140 mg, besser aber 280 mg Silymarin kommt. Aus Sojalecithin: PhospholipideAus dem Lecithin der Sojabohne werden die sogenannten "essentiellen" Phospholipide (EPL) gewonnen. Essentiell heißen sie, weil in ihnen essentielle Fettsäuren chemisch gebunden sind. EPL entsprechen bestimmten Bausteinen der Zellmembranen und werden deshalb vom Körper in diese eingebaut, bevorzugt in der Leber. Dort steigern sie die Leistungsfähigkeit der Leberzellen und normalisieren krankhafte Veränderungen. Daher kann man EPL zur Verbesserung der Beschwerden bei Leberschäden durch Giftstoffe und bei chronischer Hepatitis einsetzen. Empfohlen wird eine Einnahme von mindestens 1800 mg EPL am Tag. | |||||||
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Die Blütenknospe der Artischocke wird als Gemüse verwendet. Lässt man sie stehen, entwickelt sich eine schöne rosarote Korbblüte.ArtischockeDie Artischocke (Cynara scolymus) war schon in der Antike im gesamten Mittelmeerraum verbreitet. Ihre Blütenknospe ist ein wohlschmeckendes und gesundes Gemüse. Zu arzneilichen Zwecken wird jedoch ein Extrakt aus den Blättern verwendet. Es enthält die Säure Cynarin und eine große Zahl weiterer Pflanzenstoffe, die gemeinsam die Wirkung hervorrufen. Artischockenextrakt vermindert die Cholesterinsynthese, es schützt die Zellen, indem es bestimmte Schadstoffe neutralisiert und es regt die Gallenproduktion an. Dies ist bei vielen Lebererkrankungen nützlich, bei denen ein Gallestau zu Schäden führt. Man nimmt täglich etwa 1300 mg Extrakt in Kapseln oder Tabletten ein. Hingegen sollen Patienten mit Gallensteinen Arzneimittel, die Produktion oder Abfluss von Galle fördern, nicht einnehmen, da dadurch in der Gallenblase ruhende Steine in den Gallengang geraten und eine Kolik verursachen können.GalleflussEng verwandt mit der Kurkuma, aus deren Wurzel das Gewürz Curry hergestellt wird, ist die Javanische Gelbwurz (Curcuma xanthorrhiza). Sie enthält ätherische Öle und Curcumine, diese fördern einerseits die Galleproduktion in der Leber und andererseits den Abfluss aus den Gallenwegen. Vorsicht ist geboten bei Patienten mit empfindlichem Magen oder Magengeschwüren, weil Gelbwurz, vor allem bei hoher Dosierung, die Magenschleimhaut reizt. Es sollte eine Mindestmenge von 2 bis 3 g getrocknete gepulverte Wurzel am Tag eingenommen werden, aber nicht wesentlich mehr. Übrigens fördert auch Curry den Gallefluss und reizt ebenfalls den Magen.Galle- und LeberteesTeerezepte für die verschiedensten Krankheiten sind weit verbreitet. Bei Galle- und Lebertees muss man wissen, dass eine normale Teebereitung sehr niedrige Wirkstoffgehalte ergibt, die für eine optimale Wirkung nicht ausreichen. Man muss sich also darüber klar sein, dass man durch Tees höchstens eine Unterstützung des Wohlbefindens erreicht. Verschiedene im Umlauf befindliche Rezepte enthalten Pflanzen, die eine abführende Wirkung haben, z.B. Faulbaumrinde, Rhabarberwurzel oder Sennesblätter. Von solchen Mitteln muss man Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung zu Verdauungsbeschwerden mit Durchfall neigen, generell abraten. Gleiches gilt auch für alle diejenigen, die an einer chronisch- entzündlichen Darmerkrankung leiden. Der Zweck dieser Inhaltsstoffe soll eine Förderung des Galleflusses sein. Dies kann man jedoch auch mit Artischocke, Gelbwurz oder bitterstoffhaltigen Pflanzen, z.B. Löwenzahn, Tausendgüldenkraut, Wermut oder Schafgarbe erreichen, die den Darm nicht beeinflussen. Deshalb sollten Tees mit abführenden Bestandteilen bei Lebererkrankungen generell nicht mehr verwendet werden. Lassen Sie sich in ihrer Apotheke beraten, welche Teemischung geeignet ist. | |||||||
| [Zum Seitenanfang] | Ulrich Kraus Herzlichen Dank Herrn Prof. Dr. Heinz Schilcher, München, für zahlreiche Unterlagen. |
23.11.2002