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Selbsthilfe Lebertransplantierter Deutschland

Kontaktgruppe Heidelberg

Heidelberg

Ansprechpartner:

  • Wolfgang Bier, Tel. 06202 - 1 53 33
    Schicken Sie gerne eine Email! Mail
  • Andrea Sebastian, Tel. 06201 - 50 86 13
    Schicken Sie gerne eine Email! Mail

Termine der Kontaktgruppe

Auf diesen Seiten finden Sie künftig immer eine aktualisierte Übersicht über die bekannten Treffen und Veranstaltungen unserer Kontaktgruppe.
Schauen Sie ab und zu wieder herein !!!
Näheres bei Wolfgang Bier und Andrea Sebastian

Berichte aus unserer Kontaktgruppe

1. Patiententag Lebertransplantation bei Kindern 2007


"Regen - Das macht uns doch nichts aus!"

So und ähnlich konnte man es beim Mittagessen im Alten Brauhaus in Zwingenberg an der Bergstraße hören. Zuvor waren wir, 17 unerschrockene, regenschirmbewaffnete Lebertransplantierte und Angehörige, eineinhalb Stunden Professor Gerd Scheper durch das alte Städtchen gefolgt.

Der Zwingenberger und Architekt zeigte uns die historischen Ecken im Tal und die Besonderheiten der Kirche auf dem Berg. Er verschaffte uns einen Überblick über die historischen Zusammenhänge und auch "Histörchen" hatten Ihren Platz. Es hat uns nicht gestört, dass ab und zu ein Bogen zum ganz privaten Hobby des Gerd Scheper - der spezielle Bezug derer von Katzen-Ellenbogen zu Zwingenberg! - Geschlagen wurde. Auch daran wurde deutlich, dass er uns mit Engagemnent durch "seine" Stadt führte. Wir danken für die engagierte (und auch noch kostenlose!) Stadtführung!

Nach dem Mittagessen hatte es aufgehört zu regnen und wir konnten den Rest des Ausflugs auf den Regenschirm verzichten. Von der Bergkirche in Auerbach wanderten wir zum Fürstenlager. Dieser Park wurde ursprünglich von den hessischen Landgrafen rund um eine "heilsame" Quelle angelegt. Im Park und diversen Gebäuden suchten die fürstlichen Herrschaften einstmals Erholung. Nach dem Regen war die Luft besonders angenehm und wir taten es Ihnen gleich und trafen uns je nach Geschmack nach kürzeren oder längeren Spaziergängen zum Kaffeetrinken im "Herrenhaus".

Mit dem Gang zurück zu den Autos endete der Ausflug, bei dem wieder gute Gespräche unter gleichermaßen Betroffenen geführt werden konnten - und es ging nicht nur um die "Kranklheit"!

J.Riemer


Über 100 Teilnehmer beim Regionaltreffen am 4. Mai 2002 in Heidelberg

Eröffnet wurde das Regionaltreffen von der stellvertretenden Vorsitzenden der Selbsthilfe Lebertransplantierter Deutschland e.V., Frau Jutta Riemer.
Sie begrüßte neben dem Hausherrn Herrn Prof. Dr. med. Markus W. Büchler (Ärztlicher Direktor) auch die Referenten Frau Priv.- Doz. Dr. med. B. Kallinowski, Herr Dr. med. B. Küppers, niedergelassener Gastroenterologe aus Mannhem, Herr Priv.- Doz. Dr. med. W. Uhl und die anwesenden Ärzte OA Dr. med. Sauer, Dr. med. Bruno Schmied, die Vorsitzende Frau Jutta Vierneusel und alle Anwesenden, Ärzte, Schwestern, Transplantierte, Wartepatienten, Angehörige etc.
Als Ansprechpartner für die Selbsthilfe im Raum Südhessen/Darmstadt stellte sie Herrn Harry Distelmann, für den Raum Heidelberg Herrn Wolfgang Bier vor.
Der Nachfolger des bisherigen ärztlichen Direktors Herrn Prof. Dr. med. Ch. Herfarth ist seit Oktober letzten Jahres Herr Prof. Dr. med. M.W. Büchler. Er hat acht Jahre die Klinik für Transplantationschirurgie in Bern geleitet und war dort in der Forschung tätig. Aus Bern hat er auch 12 seiner Mitarbeiter mitgebracht.

1.Einführung ( Professor Dr. med. M.W. Büchler)

In seiner Einführung stellte er, veranschaulicht durch Bilder, die Geschichte der Transplantationsmedizin vor. Die Niere wurde zum ersten Mal 1954 ( Dr. Muarry), 1963 die Lunge (Dr. Hardy) und die Leber ( Dr. Starzl), 1967 das Herz (Dr. Barnard) und die Bauchspeicheldrüse und 1985 der Dünndarm, transplantiert.

Erkrankungen, die zu einer Lebertransplantation ( LTX ) führen können:

Herr Prof. Büchler bemerkte zur alkoholtoxischen Leber, dass die Gesellschaft gerade diese Patienten wegen ihrer Alkoholkrankheit diskriminiert, dagegen wird das Rauchen akzeptiert, obwohl die Spätfolgen wie Herz- und Lungenoperationen viel häufiger auftreten, als Transplantationen aufgrund alkoholtoxischer Leberzirrhose. Voraussetzung ist hier aber unbedingte Alkoholabstinenz.
Als häufigste Ursache für eine LTX gilt die Hepatitis, wobei in der Zukunft wohl auch sehr viele Patienten mit Lebertumoren transplantiert werden, erfolgreich jedoch nur, wenn diese frühzeitig erkannt werden.

Wie erkennt man eine Lebererkrankung?

Die Symptome der Lebererkrankung reichen von körperlichem Verfall, ständiger Müdigkeit, im fortgeschrittenen Stadium mit Bauchwasser, gastrointestinalen Blutungen ( den Magen und Dünndarm betreffend), einem irreversiblen Anstieg der Blutwerte, bis zum kombinierten Leber- und Nierenversagen und Leberkoma.

Die Phasen einer Lebertransplantation

Bilder aus dem OP verdeutlichten den Vortrag.
  1. Vorbereitung der Leberspender: Hierbei werden Organe aus ganz Europa transplantiert. Transplantationschirurgen fliegen zum Erhalt eines Organs bei Bedarf in entsprechende Länder (z.B. Griechenland).
  2. Entfernen der kranken Leber: Oftmals ist sie eingeschrumpft und von fast schwarzer Farbe. Die Entnahme kann dann bis zu drei Stunden dauern.
  3. Der Einbau der Spenderleber wurde erklärt. Die sich ständig verbessernde Transplantationschirurgie benötigt immer weniger Zeit und Blutkonserven für die Operation.

Entwicklung der Lebertransplantation in Deutschland

Dazu ist zu bemerken, dass sich die Zahl der Transplantationen in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt hat (1990: 316 LTX; 2000: 780 LTX), die Zahl der Patienten auf der Warteliste aber immer noch um fast 1/3 höher ist ( 2000: 1000 Wartepatienten).
Zur Zeit stagniert die Zahl der Transplantationen. Ein Mehr scheitert am eklatanten Organmangel in Deutschland! Die Schere wird sich in Zukunft immer weiter öffnen zwischen benötigten und tatsächlich vorhandenen Organen.

In den USA ist die Situation noch dramatischer: von etwa 15.000 Patienten werden 4.000 transplantiert, d.h., es sterben viele auf der Warteliste!
In einigen Jahren werden diese Zahlenverhältnisse auch in Deutschland zutreffen. Entsprechend ist die Sterberate auf der Warteliste, hervorgerufen durch den eklatanten Organmangel. Dies ist weltweit ein großes Problem, so Prof. Büchler.

Welche Möglichkeit gibt es nun, die Zahl der Spender zu erhöhen?

Herr Prof. Büchler erläuterte hierzu die Leber- Lebend- Spende. Dabei wird einem Gesunden die Hälfte der Leber entnommen und die kranke Leber eines Patienten dadurch ersetzt. Im nächsten Monat gibt es wahrscheinlich die erste dementsprechende Operation in Heidelberg.

Die Leber- Lebend- Spende ist jedoch nur ein kleiner Ausweg aus der Misere der fehlenden postmortalen ( = nach dem Tode) Spenderorgane.

Den Einwand von Frau Vierneusel ( 1. Vorsitzende ), dass man die Anzahl der postmortalen Spender durch die Einführung von Transplantationskoordinatoren an allen Krankenhäusern erhöhen könnte, bestätigte er dahingehend, dass auch in Zukunft 90% der LTX in postmortalen Spenden bestehen werden.

Ein Schaubild von Herr Prof. Büchler verdeutlichte, das seit 1998 in den USA die Anzahl der Lebendspenden stark zugenommen hat. In Japan ist die Leber- Lebend- Spende mit ca. 70% weltweit am stärksten. In Asien wurde diese Transplantationstechnik entwickelt, da dort aus Toten ( religiöse Gründe ) keine Organe entnommen werden dürfen.

Ein Dia zeigte eine getrennte Leber. Die rechte, größere Hälfte erhält der Empfänger, die linke, spitz zulaufende Leberhälfte bleibt beim Spender. Die Leber ist ein stark regeneratives Organ und wächst entsprechend den körperlichen Bedürfnissen des Trägers in kurzer Zeit nach.

Beim Blick in die Zukunft betonte Herr Prof. Büchler, dass Tierorgane ( Spezies Schwein ) von Menschen abgestoßen werden. Auch durch Medikamente kann man diese Abstoßungsreaktion nicht unterbinden. Weitere Forschungsergebnisse in dieser Richtung sind laut Herr Prof. Büchler in den nächsten 20 Jahren nicht in Sicht.

Das Heidelberger Transplantationsteam

Als sehr wichtig empfindet Herr Prof. Büchler die Teambildung in Heidelberg zwischen der
  • Chirurgie / Anästhesie
  • Hepatologie, Gastroenterologie, Radiologie
  • Nephrologie, Hygiene, der psychosozialen Medizin
  • Pflege, Transplantationskoordination, DSO, Sozialarbeit, Sekretariat
  • den zuweisenden Kliniken, dem Hausarzt und
  • der Selbsthilfe

In der Vorbereitung des Patienten zur LTX finden interdisziplinäre Sprechstunden all dieser Einheiten statt. Spezielle Kräfte stehen als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung.
Direkt nach der LTX erfolgt eine tägliche Teamvisite, die eine optimale Patientenversorgung gewährleistet.

Da es in Süddeutschland noch kein größeres Transplantationszentrum gibt (wie Hamburg, Berlin, Hannover, Essen) wird Heidelberg dazu ausgebaut werden (Transplantationen von Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Herz, Lunge und Knochenmark)!

Die anschließenden Fragen aus dem Publikum (ca. 120 Gäste) bezogen sich hauptsächlich auf die Leber- Lebendspende. Diese ist bei allen Lebererkrankungen möglich. Als Spender kommen Familienangehörige und enge Bekannte der gleichen Blutgruppe des Empfängers in Frage, die absolut lebergesund sind. Der Spender sollte max. 40- 50 Jahre sein. Sehr wichtig ist, dass es sich um eine freiwillige Spende handelt, was von einem Team von Psychologen untersucht wird. Auch die versicherungstechnische Seite der Lebendspende ist nicht ganz unproblematisch. Der Arbeitsausfall des Spenders (2- 3 Monate) wird nicht von allen Krankenkassen bezahlt.


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2. Betreuung der Patienten rund um die LTX seitens des Transplantationszentrums (Priv.- Doz. Dr. med. Waldemar Uhl)

Dr. Uhl betonte nochmals die Wichtigkeit des interdisziplinären Teams in dessen Mittelpunkt der Patient steht und stellte auch einige Mitglieder vor. Die Rolle des Zentrums vor der LTX liegt in der Evaluation (Bewertung), ob der Patient für die LTX geeignet ist. Dann erfolgt die Meldung an Eurotransplant (Zentrale Organvergabestelle von Europa in Leiden) mit der Einstufung der Dringlichkeit. Letztere kann sich von Tag zu Tag verändern und wird in Leiden immer auf den neusten Stand gebracht. Zurzeit stehen in Heidelberg 50 Patienten auf der Warteliste. Auf Anregung der Selbsthilfe findet 2 x im Jahr eine "Informationsveranstaltung für Patienten auf der Warteliste" statt.

Bei der Operation selbst wird inzwischen eine neue Technik, die "Piggyback- Technik" (Huckepack auf der unteren Hohlvene) angewandt. Neue Techniken der Lebertrennung machen nun auch Leber- Lebend- Spenden gut möglich. Bei der Immunsuppression wird ebenfalls durch Reduzierung von vormals 3 auf nunmehr 2 Medikamente eine Verbesserung herbeigeführt. Diese Informationen sind im ca. 100 Seiten umfassenden "Heidelberger Manual" nachzulesen, das besonders für Hausärzte gedacht ist.

Direkt nach der LTX gelten inzwischen folgende Standards:

  • Doppler: täglich
  • T- Drain: Gallengangssonde
  • Leberbiopsie: am 7. Tag nach LTX
  • Laborkontrollen: regelmäßig

Komplikationen direkt nach der Lebertransplantation

Als Frühkomplikationen können auftreten:
  • Blutungen (Anastomosen)
  • Leckagen (Gallengänge)
  • Leberversagen
  • Akute Abstoßung (4.- 14. Tag)
  • Infektionen (Bakterien, Viren, Pilze)
Als Spätkomplikationen kommen Narbenbrüche, ein Rezidiv der Grunderkrankung, eine chronische Abstoßung etc. in Frage, die normalerweise gut behandelbar sind.

Untersuchungen zur Nachsorge werden hauptsächlich von Hausärzten oder Hepatologen durchgeführt. Sollten es sich jedoch Fragestellungen zum Thema Immunsuppression oder Nieren handeln, ist das Transplantationszentrum einzubeziehen.

Das Transplantationszentrum Heidelberg liegt in Deutschland auf Platz 4 (von 24 Zentren).

Eine kurze Diskusionsrunde mit Herr PD Dr. W. Uhl schloss sich an.

In Heidelberg sind die neuen Lebersprechstunden:

  • Mittwochs von 14.00 bis 16.00 Uhr und
  • Donnerstags von 8.30 bis 12.00 Uhr

3. Betreuung von Patienten in der Praxis des niedergelassenen Arztes (Dr.med.Bruno Küppers)

Dr. med. Bruno. Küppers ist niedergelassener Gastroenterologe. Vor zehn Jahren war er in der Leberambulanz tätig gewesen und führt heute eine gastroenterologische Schwerpunktpraxis in Mannheim.

Erstrebenswert ist eine ambulante Vernetzung zwischen Schwerpunktpraxis und LTX- Zentrum. Die Vorteile sind die ambulante, anstatt einer teueren stationären Behandlung und der Patient bleibt in seiner gewohnten Umgebung. Hausärzte, die keine Erfahrung mit LTX- Patienten haben, überweisen sie an anerkannte Hepatologen. Die Kriterien der Überweisungspraxis sind:

  • Klar definierte Leistungen
  • Transparenz durch Dokumentation der Krankheitsbeschreibung im Arztbrief, den auch der Patient unbedingt erhalten sollte. Zuhause können die Dokumente archiviert werden. Somit hat man jederzeit selbst einen Überblick über den eigenen Gesundheitszustand - schwarz auf weiß. Transparenz ist wichtig!
  • Wirtschaftlichkeit ( hoher "case load"; bedeutet: hohe Patientenanzahl mit gleichen medizinischen Indikationen)
Dr. Küppers zeigte an einigen Graphiken die "Vier Säulen der Diagnostik in der Hepatologie" auf:
  1. Wissen um die komplexen Zusammenhänge;
  2. Labordiagnostik;
  3. Ultraschall und Leberbiotische Befunde;
  4. Gallengangsdiagnostik (MRCP / ERCP).

Komplikationen im weiteren Verlauf

Folgende Komplikationen nach LTX können auftreten:
Schwankender Spiegel des Immunsuppressivums, Re- Infektion (bei Hepatitis B und C) bzw. Rezidiv (Wiederauftreten) der Grunderkrankung, akute und chronische Abstoßung, Virusinfektionen u.a.

Eine Betreuung des Patienten schon vor der LTX ist sehr günstig, so Dr. Küppers, da dann schon ein Vertrauen zwischen Arzt/Patient aufgebaut wird, das nach der LTX verstärkt weitergeführt werden kann.

Der betreuende Arzt überwacht regelmäßig den Immunsuppresivum- Spiegel, der bei Ciclosporin in den Grenzen von 80 _ 150 ng/ml, bei Takrolimus bei 3- 8 ng/ml liegen sollte. Urbason (Cortison) sollte normalerweise 6 Monate nach der LTX ausschleichend abgesetzt werden.

Bei einer akuten Abstoßungsreaktion besteht die Therapie aus:

  1. einer Leberbiopsie;
  2. 500 mg Urbason i.v. über 3 Tag;
  3. keine Kontroll- Leberbiopsie bei Transaminasenabfall.
Nur sehr erfahrene Hepatologen können diese Therapie ambulant durchführen, ansonsten ist eine stationäre Einweisung in das LTX- Zentrum von Nöten. Die Urbason- Therapie ist normalerweise gut beherrschbar und erfolgreich.

Eine ERCP nach der LTX ist durchzuführen bei:

  1. Extrahepatischen Gallenwegsveränderungen, die endoskopisch gut behandelbar sind.
  2. Intrahepatischen Gallenwegsveränderungen hingegen führen zur Re- Transplantation.

Kostenproblematik?

Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen als Kostenträger bereitetet in der Vergangenheit wenige Probleme. Die Ausnahmekennziffer EBN 3496 für Laborleistungen des Hausarztes belastet dessen Budget nicht. Praxisbesonderheiten für alle Anwendungen sind schwere Fälle, viele Überweisungen und Einsparungen von Krankenhauseinweisungen.

Die Verschreibungspraxis legt das LTX- Zentrum fest. Ärzte halten sich daran und verschreiben nur diese vorgeschriebenen Medikamente. Diese ambulante Versorgung ist für den Patienten komfortabel und für die Kostenträger finanzierbar, so Dr. Küppers.

Die Zukunft der LTX bietet somit dem Patienten eine bessere Überlebensrate, gezieltere Immunsuppressionsbehandlungen, steigende Zahl der Leber- Lebendspenden und zunehmende bessere ambulante Versorgung. In der Umsetzung der Ergebnisse der Stammzellenforschung könnte in der Zukunft eine Chance im Hinblick auf den Organmangel sein.

Eine Eigenverantwortlichkeit des Patienten durch gezielte Unterweisungen des LTX- Zentrums, sowie die Beratung der Selbsthilfegruppen unterstützt die ambulant behandelnden Ärzte stark, denn: "Ein mündiger Patient, ist ein guter Patient".


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4. Impfungen nach einer Lebertransplantation (Priv.- Doz. Dr. med. Birgit Kallinowski)

Die Fragen die sich dazu ergeben sind folgende:
  • Sollte man sich überhaupt impfen lassen?
  • Wenn ja, wann ?
  • Gibt es Impfungen, die LTX- Patienten schaden können ?
  • Gegen was soll man sich impfen lassen?
Zunächst klärte Frau Dr. Kallinowski darüber auf, worin die Besonderheit beim Transplantierten besteht. Geimpft werden sollte, weil die Immunsuppression die Immunabwehr schwächt. Die T- Zellen werden in ihrer Aktivität herabgesetzt. Sie sind zusammen mit den B- Zellen im Körper für die Antikörperbildung verantwortlich, welche die Abwehr bilden. Da beide vermindert vorhanden sind, bedeutet dies eine höhere Infektanfälligkeit. Daraus ergibt sich ein eindeutiges "JA" zur IMPFUNG. Je höher die Immunsuppression ist, um so geringer fällt der Impferfolg aus.

Zur Frage ob Impfungen dem LTX- Patienten schaden können: Es gibt zwei Arten von Impfstoffen: Tot- Impfstoffe (enthalten nur einen Eiweißkörper des Bakteriums, Virus) und Lebend- Impfstoffe.

Eine Impfung mit einem Tot- Impfstoff führt zu keiner Abstoßung und in der Regel zu keinen schweren Nebenwirkungen.
Dagegen können Lebend- Impfstoffe Schäden verursachen und sollten daher nicht verabreicht werden!

Impfempfehlung nach Lebertransplantation

Nach der LTX werden also folgende Impfstoffe empfohlen:
Die folgende Auflistung zeigt, wie hoch der Impferfolg in %, der erreichbare Antikörper- Titer in % (ein gesunder Mensch erreicht 100 %) und nach wie vielen Monaten/ Jahren die Dosis zur Auffrischung der Impfung wiederholt werden sollte.

IMPFERFOLG NACH LEBERTRANSPLANTATION
ImpfstoffImpferfolg %Antikörper- Titer %Auffrischung (Jahre)
Tetanus85305
Diphterie80305
Influenza30-90301
Pneumokokken95902 bis 5
Hepatitis A75-95506 Monate
Hepatits B30106 Monate

Sehr empfehlenswert ist es, schon vor der LTX geimpft zu werden, da dann durch die Auffrischimpfungen nach der LTX ein höherer Antikörper- Titer erreicht wird. Der Impferfolg liegt z.B. bei Hepatitis B vor der LTX bei 30%, hingegen nach der LTX nur bei 12%.

Sollte ein schon stabiler Transplantierter eine Fernreise planen, so sind zuvor unbedingt folgende Impfungen in Absprache mit dem LTX- Zentrum empfehlenswert:

  • Meningokokken
  • Haemophilus
  • Polio (nur inaktive Viren; IPV)
  • FSME (Frühjahr- Sommer- Meningoenzephalitis)
Zum Impfen ist es nie zu spät!

Keine Lebendimpfstoffe

Nicht empfohlen werden Lebend- Impfstoffe!, wie Tuberkulose, Typhus, Gelbfieber Röteln, Masern, Mumps und Windpocken.
Frau Dr. Kallinowski verwies noch auf das Robert Koch Institut und das Tropenmedizinische Institut in Heidelberg, sowie an www.rki.de .

Während der anschließenden Diskussionsrunde wurden von Fr. Dr. Kallinowski noch folgende Informationen mitgeteilt:

  • Antikörperuntersuchungen werden in der Klinik durchgeführt. Sollte kein ausreichender Schutz mehr vorhanden sein, erfolgt eine Auffrischimpfung.
  • Nach der LTX ist die Gefahr, eine Hepatitis B - Reinfektion zu erlangen nur bei 1- 3%.
  • Werden Lebendimpfstoffe Familienangehörigen (Kinder) geimpft, ist dies eine etwas problematische Situation für den Transplantierten.
  • Eine Malariaprophylaxe kann bei Immunsupprimierten angewendet werden.
  • Die Infektionsgefährdung ist nach neustem Wissen bei Immunsupprimierten nicht viel größer als bei Gesunden. Daher ist auch der Aufenthalt in Menschenansammlungen nicht so gefährlich, wie dies noch vor 10 Jahren angenommen wurde.

Dank an die Referenten

Am Schluss der Veranstaltung bedankte sich Frau Riemer bei allen Referenten mit einem Buchpräsent für ihre informativen Vorträge.
Ferner bedankte sie sich im Namen aller Patienten für bereits erfolgte Organspenden und bei den Ärzten, in der Hoffnung, dass die Organspende für die Bevölkerung zur Normalität wird. Sie wies auf den " 20. Tag der Organspende" am 1.Juni 2002 hin. Zum dort stattfindenden Dankgottesdienst mit Karl Kardinal Lehmann, den sich anschließendenden Grußworten und Fachvorträgen lud sie die Anwesenden alle herzlich ein.

Im Anschluss an die Vorträge im Hörsaal fand ein gemeinsames Mittagessen im Zoorestaurant statt. Hier wurden alte und neue Kontakte gepflegt und die vielen neuen Informationen gemeinsam diskutiert.

Wir bedanken uns bei der Chirurgischen Klinik für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und der Technik. Ein besonderes Dankeschön an die Referenten, die allesamt unentgeltlich in Ihrer Freizeit bereit waren Vorträge zu halten.

W. H. Bier


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Neue Aspekte der Lebertransplantation an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg


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22.03.2008